Podiumsdiskussion Teil 1 Wie wollen die Kandidierenden für Verwaltung, Rat und Bürger da sein?

Großes Interesse: Die Gymnastikhalle in Wallenhorst war gut besucht. Foto: Markus Noldes
Wer wird Bürgermeisterin oder Bürgermeister von Wallenhorst? Diese Frage scheint weiterhin viele zu interessieren. Zur zweiten Podiumsdiskussion, die vom Bürgerverein und vom Bürger Echo veranstaltet wurde, kamen rund 500 Leute in die Gymnastikhalle in Wallenhorst. Wir stellen in mehreren Artikeln die wichtigsten Themen vor.

Eine richtige Diskussion war es nicht, aber erste kleine Nadelstiche wurden gesetzt. Der Abend begann damit, dass die Kandidierenden ihre wichtigsten Themen vorstellen durften. Die Reihenfolge wurde in jeder Runde neu ausgelost. Da wir leider nicht pünktlich am Event teilnehmen konnten, können wir zu diesen Statements nichts berichten.

In der zweiten Runde ging es dann um den Umgang mit der Verwaltung, dem Rat und den Bürgern. Wir berichten in der Reihenfolge, wie die Kandidierenden gesprochen haben.

Marion Müssen warb mit ihrer Menschenkenntnis. Foto: Noldes

Gute Menschenkenntnis und viele persönliche Kontakte in die Verwaltung: Diese Argumente führte Marion Müssen (parteilos) für sich an. Neben persönlichen Gesprächen möchte sie als Bürgermeisterin “Praxistage” für sich einführen und sich so Arbeitsabläufe beispielsweise beim Ordnungsamt oder Bauhof vor Ort anzuschauen. Gegenüber dem Gemeinderat und den Bürgern versprach sie Transparenz. Bürgerforen und digitale Formate sollen den Dialog ins Rathaus ermöglichen.

 

Lisa Böge möchte ein Votingportal. Foto: Noldes

Lisa Böge (Linke) setzt auf Teamwork. Sie sei auf die Expertise in der Verwaltung angewiesen, um sich entsprechend einzuarbeiten. Wichtig sei ihr, mit dem Gemeinderat frühzeitig zusammenzukommen. Sie stellte umfangreich Ideen für die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürger vor. Neben den Erhalt der Bürgersprechstunde, möchte sie ein Onlineportal, auf dem genau einsehbar ist, welche Themen derzeit bearbeitet werden und wie der Status dazu ist. Zudem sollen Ideen eingereicht werden können, für die entsprechend gevoted werden kann. Erhält eine Idee sehr viel Zuspruch, soll diese dann auch in den Rat eingebracht werden.

Markus Steinkamp lobte die Arbeit der Verwaltung und im Rat. Foto: Noldes

Markus Steinkamp (FDP) betonte, dass in der Wallenhorster Verwaltung bereits vieles gut laufe und er sich auf die Zusammenarbeit mit erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freue. Er lobte die schon jetzt kollegiale Zusammenarbeit im Rat über die Fraktionen hinweg. “Wir arbeiten weiter gut zusammen – da habe ich keine Zweifel”, sagte Steinkamp. Er wünschte sich mehr Informationsaustausch in beide Richtungen. Dafür müssten auch die Online-Präsenzen sowie Social Media der Gemeinde weiter ausgebaut werden.

 

Christian Böwer möchte eine klare Führung in der Verwaltung. Foto: Noldes

Christian Böwer (unabhängig, unterstützt von der SPD) möchte hingegen einen klaren Führungsstil an den Tag legen. Die Verwaltung müsse sich als Servicemitarbeiter für den Bürger verstehen. Er verwies dabei auf seine Führungserfahrung. (Er arbeitet als Vertriebsleiter bei der AOK Niedersachsen, Anm. Redaktion). Im Rat sei sein Vorteil, dass er keiner Partei angehöre und unabhängig sei. Um die Ratsarbeit noch transparenter zu gestalten und um mehr Teilhabe zu ermöglichen, möchte er Ratssitzungen gerne streamen. Zudem wünschte er sich, dass er den Kontakt, wie er ihn jetzt zu den Menschen habe, auch weiterhin pflegen kann.

 

Birgit Schad möchte einen anderen Ton im Gemeinderat. Foto: Noldes

Keinen Hehl machte Birgit Schad (unabhängig) aus ihrer fehlenden Führungserfahrung. Sie müsse erstmal kennenlernen, wer was in der Verwaltung tut. Wichtig sei ihr, dass Entscheidungen im Rat und der Verwaltung nachvollziehbar sein müssen. “Die Wortwahl im Rat lässt teilweise zu wünschen übrige”, monierte die unabhängige Kandidatin, die derzeit im Gemeinderat sitzt. Sie möchte für mehr Respekt eintreten und Diffamierungen unterbinden. Der Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern sei ihr besonders wichtig. Dafür regte sie regelmäßige Events an, die sich gezielt an Gruppen wie beispielsweise Familien, Jugendliche, Senioren oder Menschen mit Behinderungen richten. Zudem wolle sie auch AfD-Wählern zuhören, um zu verstehen, was diese von der rechten Partei erwarte, was der Rat nicht erfüllen könnte.

Alexander Strehl verwiese auf seine Verwaltungserfahrung. Foto: Noldes

“Ich weiß, was mich erwartet”, sagte hingegen Alexander Strehl (unabhängig, unterstützt von den Grünen) und verwies auf seine Ausbildung zum Diplom Verwaltungswirt sowie seine Tätigkeit als Mediator und Berater bei der Handwerkskammer. Er müsse sich zwar erst einschwimmen, aber kenne die Abläufe. Er setze auf einen kooperativen Stil und möchte das Personal weiterentwickeln. Da er als Ratsmitglied die Zusammenarbeit mit dem Rat kenne und man fraktionsübergreifend gut zusammenarbeite, sähe er da auch in Zukunft wenig Probleme. Für die Menschen der Gemeinde möchte Strehl das Rathaus mehr öffnen. Wichtig sei es ihm, dass man nicht nur Anliegen vorbringen könne, sondern auch garantiert eine Antwort erhalte.

Michael Lührmann verwies auf zehn Jahre Politikerfahrung. Foto: Noldes

Anders als Schad lobte Michael Lührmann (CDW, unterstützt von der CDU) den Umgang im Gemeinderat als konstruktiv und verwies auf die unterschiedlichen Konstellationen, mit denen er auf Kreis- und Gemeindeebene in den vergangenen zehn Jahren schon zusammengearbeitet habe.  “Ich habe die CDW gegründet, um Menschen für Politik zu begeistern”, sagte Lührmann, der auch stellvertretender Landrat ist. Das wolle er auch als Bürgermeister tun. “Ich bin Bürger von Wallenhorst und das bleibe ich”, bekräftigte er.

 

Über den Autor

Markus Noldes

Nach ersten Gehversuchen beim Sonntags Report in Leer, entdeckte Noldes seine Leidenschaft für den Journalismus im Jahr 2008. Sein Volontariat machte er beim Bremer Weser Report, wo er zunächst drei Jahre den Lokalteil Huchting/Stuhr verantwortete, ehe er die Ressorts Kultur und Online übernahm. Seit 2014 ist er mit einer Marketingagentur mit Fokus Social Media Content / Video selbstständig. Im Mai 2026 übernahm er die redaktionelle Leitung von wallenhorster.de

Eigene Beiträge der Redaktion „Wallenhorster“. Ggf. basierend auf Informationen von Drittanbietern. Weitere Informationen über die Redaktion „Wallenhorster“ hier und im Impressum.