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Bramsche als Notarzt-Standort auch für Wallenhorst wichtig

Rettungswagen im Einsatz. Symbolfoto: Thorsten Töller / Pixabay
Rettungswagen im Einsatz. Symbolfoto: Thorsten Töller / Pixabay
Der Notarzt-Standort in Bramsche ist auch für die Gemeinde Wallenhorst von besonderer Bedeutung und sollte unbedingt gestärkt werden, meint unser Chefredakteur. Den Standort in Bramsche müsse man dauerhaft sichern. Angebliche Überlegungen beim Landkreis in der Vergangenheit, den Notarztstandort zu schließen, schockieren. Ein Kommentar.

Die heutige Pressemitteilung der CDU-Kreistagsfraktion (wir berichteten) lässt aufhorchen. „Die Aussage des Bürgermeisters Pahlmann, es gäbe beim Landkreis Überlegungen den Notarztstandort zu schließen, bestärkt trotz des Dementis aus dem Kreishaus unsere Sorge und erfordert klare Vorgaben durch die Politik“, so der Bramscher CDU-Abgeordnete Andreas Quebbemann in der Mitteilung.

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand oder plötzlicher Bewusstlosigkeit zählt jede Sekunde. Das lernen schon Kinder in der Grundschule. Gerade aus diesem Grund sollten die Verantwortlichen den hauptamtlichen Rettungsdienst maximal stärken. Bei Notfällen in Wallenhorst kann durchaus viel Zeit verstreichen, bis professionelle Hilfe eintrifft. In der Regel werden Rettungswagen (RTW) und je nach Einsatzstichwort das Notarzt-Einsatz-Fahrzeug (NEF) aus Bramsche oder der Stadt Osnabrück von der Regionalleitstelle nach Wallenhorst alarmiert. Vor einigen Jahren konnte der Notarzt aus Bramsche noch rund um die Uhr alarmiert werden. Seit einigen Jahren wird das NEF in Bramsche aber nicht mehr 24 Stunden am Tag zur Verfügung gestellt. Hierdurch können sich die Anfahrten deutlich verlängern und Notfallpatienten müssen ggf. länger auf professionelle Hilfe warten. Sollte es zutreffen, dass der Landkreis tatsächlich hinter vorgehaltener Hand in der Vergangenheit Überlegungen angestellt hat, den Notarzt-Standort Bramsche ganz aufzugeben, ist dies auch aus Wallenhorster Sicht sehr kritisch zu sehen.

Sieben Notarzt-Standorte gibt es insgesamt im Landkreis Osnabrück. An allen Standorten ist das NEF 24 Stunden rund um die Uhr an allen Tagen im Einsatz. Nur für die Rettungswache Bramsche wurde vor einigen Jahren entschieden, dass es keine täglichen 24-Stunden-Schichten mehr für den Notarzt gibt. Der Landkreis Osnabrück ist bekanntlich sehr weitläufig und groß. Ein NEF aus dem weiteren nördlichen Landkreis benötigt daher unverhältnismäßig viel Zeit bis zum Eintreffen am Einsatzort. Für Wallenhorst dürfte dies bedeuten: Wenn in Bramsche kein Notarzt im Dienst ist oder sich in einem anderen Einsatz befindet, muss dieser aus der Stadt Osnabrück anfahren. Wenn auch hier gerade kein NEF einsatzbereit ist, sind lange Wege aus Ankum, Quakenbrück oder gar Ibbenbüren nötig.

In der Verordnung über die Bemessung des Bedarfs an Einrichtungen des Rettungsdienstes (BedarfVO-RettD) vom 4. Januar 1993 des Landes Niedersachsen heißt es unter § 2: „Der Zeitraum zwischen dem Beginn der Einsatzentscheidung durch die zuständige Rettungsleitstelle bis zum Eintreffen des ersten Rettungsmittels am Einsatzort (Eintreffzeit) soll in 95 vom Hundert der in einem Jahr im Rettungsdienstbereich zu erwartenden Notfalleinsätze 15 Minuten nicht übersteigen.“ 15 Minuten bei 95 Prozent aller Einsätze? Das ist eine viel zu lange Wartezeit. In fünf Prozent aller Einsätze kann es zudem noch länger dauern. Hier ist die Landespolitik aufgerufen, die veraltete Verordnung aus dem Jahr 1993 zu überdenken und die Fristen zu verkürzen.

Nach Informationen unserer Redaktion gibt es vermutlich ab Januar 2021 keinen festen Notarzt mehr auf der Rettungswache in Bramsche. Notarzt Dr. Andreas Atzeni gründete daher kürzlich einen Verein, um die Situation vor Ort durch externe Ärzte zu verbessern. Dies ist ein wichtiger Schritt für eine optimale Notfallversorgung in Bramsche und Wallenhorst.

Es ist sicherlich sehr positiv, dass der Landkreis Aktionen wie die „Mobilen Retter“ 2017 gestartet hat (wir berichteten) und weitere Ehrenamtliche sich bei den verschiedenen Hilfsorganisationen als „Sanitäter vor Ort“ oder „First Responder“ engagieren. Ihnen allen gilt größte Anerkennung und Dank! Gleichwohl ist ein funktionierender professioneller Rettungsdienst inklusive notärztlicher Versorgung von besonderer Bedeutung. Daher sollten sich alle Verantwortlichen, einschließlich Politik und Verwaltung, für einen starken und optimierten Notarzt-Standort in Bramsche einsetzen. Dieser sollte täglich und rund um die Uhr als „24/7-Bereitschaft“ funktionieren.

F. Rothermundt, Symbolfoto: Thorsten Töller / Pixabay