Im Juni kannte der Jubel am Hollager Benkenbusch kaum Grenzen. Gleich vier Herrenmannschaften von Blau-Weiss Hollage waren innerhalb weniger Tage aufgestiegen – eine historische Saison für den Verein. Gut vier Monate später ist vom sportlichen Höhenflug wenig übrig. Die Erste und die Zweite stehen auf Abstiegsplätzen, das Trainerduo der Ersten ist zurückgetreten und auch bei der Zweiten musste das erst im Sommer angetretene Trainergespann schon wieder gehen. Statt Aufstiegseuphorie herrscht Ernüchterung. Wie konnte aus dem Hollager Fußballsommer so schnell ein Herbst voller Probleme werden?
Der 13. Juni 2026 dürfte einen besonderen Platz in der Vereinsgeschichte von Blau-Weiss Hollage einnehmen. In einem dramatischen Entscheidungsspiel setzte sich die zweite Mannschaft in der Aufstiegsrelegation zur Bezirksliga gegen den VfL Kloster Oesede durch – und das unter bemerkenswerten Umständen. Ein Großteil des eigentlichen Kaders befand sich auf Mannschaftsfahrt in Kroatien. Stattdessen stand eine zusammengewürfelte Auswahl aus mehreren Hollager Mannschaften auf dem Platz. Am Ende wurde trotzdem gefeiert. Es war der vierte Aufstieg einer Herrenmannschaft in jener Saison. Eine außergewöhnliche Leistung, auf die der Verein zu Recht stolz sein konnte.
Doch der Glanz dieses Sommers ist inzwischen deutlich verblasst. Dass die neuen Aufgaben für die Erste in der Landesliga und die Zweite in der Bezirksliga anspruchsvoll werden würden, war abzusehen. In Hollage geht es aber längst um mehr als verlorene Punkte und schwierige Tabellenstände. Innerhalb weniger Wochen hat sich der Verein von zwei Trainerteams getrennt beziehungsweise deren Rücktritte hinnehmen müssen. Da drängt sich die Frage auf, ob die Probleme tatsächlich nur sportlicher Natur sind.
Verein schweigt zu Rücktrittsgerüchten
Den ersten Paukenschlag gab es im September. Lennart Süllow und Lukas Reineke legten überraschend ihre Ämter nieder. Nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung soll selbst die Mannschaft davon überrascht gewesen sein. Über die Gründe schweigen die Beteiligten weitgehend. Im Ort wird seither über mögliche Unstimmigkeiten zwischen dem Trainerduo und der sportlichen Leitung spekuliert. Dabei geht es unter anderem um das Auftreten der Trainer an der Seitenlinie und unterschiedliche Vorstellungen von der Zusammenarbeit. Bestätigt sind diese Darstellungen bislang nicht.
Auch in einer aktuellen Stellungnahme zur Situation der Herrenmannschaften geht der Vorstand auf die Hintergründe des Rücktritts nicht ein. Während die sportlichen Schwierigkeiten ausführlich eingeordnet werden, bleibt ausgerechnet einer der überraschendsten Vorgänge der vergangenen Monate ungeklärt.
BW-Vorstand: “spielerisch sehr positive Entwicklung”
Besonders bemerkenswert: Noch im Februar hatten beide ihre Verträge um zwei weitere Jahre verlängert. Damals betonte der Verein das gegenseitige Vertrauen und den gemeinsamen Anspruch, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Sieben Monate später war dieser Weg zu Ende. Was ist in der Zwischenzeit passiert?
Mit Tobias Langemeyer verpflichtete Hollage einen erfahrenen Nachfolger. Die sportliche Trendwende ist zumindest auf Ergebnisebene bislang ausgeblieben. Die Erste steckt weiterhin im Landesligakeller fest. Der Vorstand sieht in einem der Redaktion vorliegenden Statement dennoch Fortschritte: „Unsere 1. Herren hat in den ersten Wochen unter Tobias Langemeyer aus unserer Sicht eine spielerisch sehr positive Entwicklung genommen.“ Häufig hätten Kleinigkeiten und das nötige Matchglück gefehlt, um sich mit Punkten zu belohnen. Man vertraue weiterhin dem eingeschlagenen Weg. Dass Aufsteiger in höheren Spielklassen Schwierigkeiten bekommen, ist freilich nichts Ungewöhnliches.
Trainerwechsel auch bei der Zweiten
Noch deutlich dramatischer stellt sich die Situation bei der Zweiten dar. Gerade einmal vier Punkte aus 14 Spielen, dazu ein Torverhältnis von 8:57 – die Bilanz des Bezirksliga-Aufsteigers ist ernüchternd. Letzte Woche zog der Verein die personellen Konsequenzen. Marc Hettwer und Co-Trainer Markus Sommer sind nicht länger für die Mannschaft verantwortlich. Hendrik Renken soll das Team zunächst bis zur Winterpause übernehmen, zusätzlich zu seiner bisherigen Tätigkeit als U19-Trainer.
Die Trennung begründete Fußball-Abteilungsleiter Björn Knabke mit der angespannten Personalsituation und den ausbleibenden sportlichen Ergebnissen. Nach offenen und konstruktiven Gesprächen wolle man auf der Trainerposition einen neuen Impuls setzen. „Eine zweite Mannschaft in der Bezirksliga ist im Osnabrücker Amateurfußball die absolute Ausnahme“, betont der Vorstand und verweist auf die besonderen Herausforderungen. Man habe von Beginn an gewusst, dass Woche für Woche vieles zusammenpassen müsse, um konkurrenzfähig zu sein. Der Verein ist ein gewisses Risiko mit der Verpflichtung eingegangen, war es doch Hettwers erste Station als Cheftrainer im Herrenfußball. Dieser Mut wurde aber nicht belohnt.
Vier Aufstiege in einer Saison bleiben ein außergewöhnlicher Erfolg. Doch die eigentliche Herausforderung beginnt danach. Im Sommer hat Blau-Weiss Hollage gezeigt, was sportlich möglich ist. Jetzt müssen die Verantwortlichen zeigen, dass sie die Mannschaften auch dauerhaft auf diesem Niveau etablieren können. Denn Aufsteigen ist das eine. Oben bleiben das andere.



