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Außergewöhnliches Fußballjahr Eine Ode an den Wallenhorster Fußball

Der Juni 2026 hat endgültig bestätigt, was sich über viele Monate hinweg angekündigt hatte: Der Fußball in Wallenhorst erlebt eine Blütezeit, wie sie die Gemeinde womöglich noch nie gesehen hat. Eine gewagte These? Vielleicht. Doch wer auf die Tabellen, die Aufstiege, die Geschichten und die unvergleichliche Begeisterung rund um die Plätze blickt, erkennt schnell: Diese Behauptung steht auf einem erstaunlich festen Fundament.

Es ist deshalb an der Zeit, dem Wallenhorster Fußball ein Denkmal zu setzen. Eine Ode an all jene, die Woche für Woche die Schuhe schnüren, Linien ziehen, Trikots waschen, Mannschaften trainieren, am Spielfeldrand mitfiebern und aus vier Ortsteilen eine große Fußballgemeinde machen.

Die Heldensaga von Hollage

II. Herrn Hollage: Die Geschichte dieses  Teams ist wohl einmalig: Foto: Rickelmann

Den vielleicht spektakulärsten Schlusspunkt unter die Saison 2025/26 setzte Blau-Weiß Hollage II. Im allerletzten Amateurfußballspiel vor der Sommerpause krönten die Blau-Weißen ein ohnehin außergewöhnliches Fußballjahr. Im Elfmeterschießen bezwangen sie den VfL Kloster Oesede und stiegen in die Bezirksliga auf.

Doch diese Geschichte ist weit mehr als ein gewöhnlicher Aufstieg. Auf dem Platz stand eine Mannschaft, die sich eigentlich kaum „Zweite“ nennen durfte. Weil sich das reguläre Team auf Mannschaftsfahrt befand, wurde kurzerhand eine Auswahl aus verschiedenen Hollager Mannschaften zusammengestellt. Eine Notlösung wurde zur Heldensaga, ein zusammengewürfeltes Team zur verschworenen Einheit. Was an diesem Tag geschah, dürfte selbst im an kuriosen Geschichten reichen Amateurfußball Seltenheitswert besitzen.

Der gegenwärtige Zustand des Wallenhorster Fußballs ist ohnehin bemerkenswert. Die Frauen von Blau-Weiß Hollage spielen als eines von lediglich zwei Teams aus der Region in der Oberliga und bilden damit die sportliche Speerspitze des regionalen Frauenfußballs. Sie bewegen sich in Gefilden, von denen selbst der omnipräsente VfL Osnabrück im Frauenbereich derzeit nur träumen kann.

Die erste Herren feiert den Titel in der Bezirksliga. Foto: Markus Noldes

Und auch die Hollager Männer haben eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die ihresgleichen sucht. Die erste Mannschaft stieg in die Landesliga auf, die zweite Mannschaft folgte in die Bezirksliga, während die dritte und die vierte Mannschaft künftig in der 1. Kreisklasse antreten. Allein diese Bilanz klingt beinahe unwirklich.

Zur Einordnung: Im gesamten Fußballkreis Osnabrück gibt es keine andere vierte Mannschaft, die in einer derart hohen Spielklasse vertreten ist. Die Breite, die Qualität und die Begeisterung, die den Fußball in Hollage derzeit prägen, sind außergewöhnlich. Blau-Weiß ist auf einem vorläufigen Gipfel angekommen – und womöglich ist das Ende des Aufstiegs noch längst nicht erreicht.

Wallenhorst: Eine Macht im Bezirk

Doch Wallenhorst ist weit mehr als Hollage

Der TSV sicherte sich den Kreismeister-Titel. Foto: Noldes

Da ist der TSV Wallenhorst: jung, spielfreudig, ehrgeizig und voller Energie. Eine Mannschaft, die den direkten Weg zurück in die Bezirksliga gefunden hat und nun wieder dort angekommen ist, wo sie sich mit den Besten der Umgebung messen kann. Gemeinsam mit den Sportfreunden Lechtingen, Eintracht Rulle und Blau-Weiß Hollage II bildet der TSV in der kommenden Saison ein Wallenhorster Bezirksliga-Quartett, das Lust auf Derbys, Leidenschaft und große Fußballabende macht.

Vier Mannschaften aus einer Gemeinde in einer Bezirksligastaffel – dazu Blau-Weiß Hollage in der Landesliga. Das ist keine Momentaufnahme, die man beiläufig zur Kenntnis nehmen sollte. Das ist eine sportliche Machtdemonstration. Mit insgesamt fünf Mannschaften stellt die Gemeinde Wallenhorst mit deutlichem Abstand die meisten Teams aller Städte und Gemeinden der Region Osnabrück in der Landesliga und der Bezirksliga. Nur Melle kann mit dem SC Melle, dem SC Melle II und Viktoria Gesmold zumindest annähernd mithalten.

Und Osnabrück? Die Großstadt, das vermeintliche Fußballzentrum der Region? Fehlanzeige. Aus dem Stadtgebiet sind mit dem VfR Voxtrup und dem SSC Dodesheide lediglich zwei Mannschaften in diesen Ligen vertreten. Wallenhorst zeigt eindrucksvoll, dass fußballerische Größe keine Frage der Einwohnerzahl ist. 

Ein Versprechen an die Zukunft

Meister der Landesliga: Die JSG Lechtingen/Wallenhorst feiert damit historisches. Foto: JSG

Und auch im Kinder- und Jugendfußball gehört die Gemeinde längst zur regionalen Elite. Im Kinderbereich konnte die U7 von Hollage den Grammann-Klose-Pokal gewinnen. Damit stellen die Hollager als bisher einziges Team jedes Jahr mindestens einen Sieger in diesem Wettbewerb. Gleich sechs Mannschaften von der A- bis zur C-Jugend spielen mindestens auf Bezirksebene. Besonders heraus ragt die JSG Lechtingen/Wallenhorst, die sich erstmals in ihrer Geschichte zum Meister der Landesliga krönte.

Dieser Titel ist mehr als ein Pokal oder eine Zeile in einer Abschlusstabelle. Er ist der Beweis dafür, was entstehen kann, wenn Vereine ihre Kräfte bündeln, Talente gemeinsam fördern und Konkurrenzdenken durch Zusammenarbeit ersetzen. Er ist ein Versprechen für die Zukunft des Wallenhorster Fußballs.

Fußballfans aus Wallenhorst dürfen sich deshalb auf eine Saison 2026/27 freuen, die an Spannung, Qualität und lokalem Derbyfieber kaum zu überbieten sein dürfte. Bereits Ende Juli rollt der Ball wieder. Dann beginnt das nächste Kapitel einer Geschichte, die gerade größer, bunter und erfolgreicher ist als je zuvor.

Wallenhorster.de wird diese Reise begleiten – mit tiefgründigen Berichten, leidenschaftlichen Analysen und den besonderen Geschichten auf und neben den Plätzen.

Text: Sven Schüer / Fotos: Noldes, Rickelmann, privat

This post was last modified on 3. Juli 2026 11:45

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Sven Schüer

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